Värttinä



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Värttinä steht für einen rootsbasierten Vokal- und Instrumentalstil, der traditionelle finno-ugrische Gesangselemente aus Karelien, Setu, der Republik Mari El, Ingria, Mordwinien und anderen Regionen im Osten Finnlands mit Originalkompositionen der Band verbindet. Dabei kommen die finnische Rune-Lyrik, unverwechselbare Gesangsharmonien, traditionelle und moderne akustische Instrumentierung, komplexe Rhythmen und phantasievolle Arrangements zum Einsatz. Den perfekten, einander auf fast unheimliche Weise nahe stehenden Harmonien der Sängerinnen kann man sich im Konzert oder beim Anhören der Aufnahmen kaum entziehen.

1983 begannen die Schwestern Sari und Mari Kaasinen gemeinsam mit ihrer Mutter Pirkko und einer Gruppe von Mädchen in der karelischen Kleinstadt Rääkkylä damit, alte Gedichte und Songs aus der Region zu rezitieren und zur Kantele, dem traditionellen, der Zither ähnlichen Instrument zu spielen.

Was als Hobby begann, wurde schnell zu mehr: die vergessenen karelischen Songs wollte man mit neuen Ansätzen wiederbeleben und so entwickelte sich ein sehr aggressiver und kraftvoller Stil, laut und fast schon schreiend. Das Konzept war provokativ und völlig neu in der finnischen Folk Music und so wurde Värttinä schnell in ganz Finnland bekannt. Bald zählte die Gruppe 21 Mitglieder, darunter fünfzehn Sänger und sechs junge Musiker an Akkordeon, Saxophon, Gitarre, Kontrabass, Fiddle und Flöte.

In den nächsten fünf Jahren spielte die Gruppe zwei Alben ein und trat im ganzen Land auf. Das selbstbetitelte erste Album wurde 1987 auf dem eigenen Label veröffentlicht und ermöglichte zusammen mit einem Auftritt beim Kaustinen Folk Festival, wo sie zur "Band of the Year" gekürt wurden, den Durchbruch. Das zweite Album Musta Lindu (Black Bird) war dunkler und beinhaltete unorthodoxere Arrangements. Es zeigte eine Band, die nicht bereit war, musikalische Kompromisse einzugehen, sondern die Folk Music neu erfinden wollte.

1989 verließen erste Mitglieder die Gruppe - einige, um an der Sibelius Akademie zu studieren, andere hörten ganz einfach mit dem Musizieren auf. Die verbliebenen Mitglieder (die Kaasinen-Schwestern, der Sax- und Bouzouki-Spieler Janne Lappalainen und die Sängerinnen Kirsi Kähkönen und Minna Rautiainen) beschlossen gemeinsam mit Musikern aus anderen Genres wie Rock, Bluegrass oder irischer Folk Music als 10-köpfiges Ensemble weiterzumachen. So stießen die Sängerin Sirpa Reiman sowie die fünf Musiker Kari Reiman - Fiddle, Tom Nyman - Bass, Tommi Viksten - Gitarre und Riitta Potinoja - Akkordeon dazu.

In den frühen 1990er Jahren entwickelte dieses Line-Up einen neuen Sound und Stil, der eher in Richtung Rock und Pop ging, dabei aber immer zu 100% akustisch blieb. Reisen in die Republik Mari El in Russland folgten zwecks musikalischer Horizonterweiterung und die Texte wurden provokativer und handelten z.B. von den Themen Liebe, Sex und Heirat aus einer sehr jungen weiblichen Perspektive.

1991 landete Värttinä dann mit dem Album Oi Dai einen großen Erfolg und holte erst Gold und bis dato sogar Platin in Finnland. Auftritte in Irland und weitere Veränderungen in der Besetzung folgten, bevor 1992 das nächste Album Seleniko, produziert von Hijaz Mustapha von den 3 Mustapha 3 erschien, in die World Music Charts Europe auf Platz 1 einstieg und dort für drei Monate am Stück verblieb. Es folgten Auftritte im Barbican Centre, WOMAD, dem Dranouter Festival, SXSW, Rudolstadt und Glastonbury sowie eine erste US-Tournee.

Nach den Alben Aitara (1994), Kokko (1996 auf Nonesuch), gemeinsamen Arbeiten mit Hector Zazou oder Maggie Reilly sowie Auftritten u.a. beim Meltdown Festival, dem Edmonton Folk Festival, dem Lowlands Festival und der Midem, erschien mit Vihma das mittlerweile schon siebte Album, auf dem u.a. als Gast die Tuva-Gruppe Yat-Kha zu hören ist. Festivalauftritte u.a. bei den Celtic Connections, Sziget, Central Park Summer Stage, Sopot sowie eine Japan-Tournee schlossen sich an und im Jahr 2000 erschien dann das achte Album Ilmatar, das bis dato experimentellste Album der Gruppe - in den USA erreichte das Album Platz 1 der CMJ World Music Charts und nach Veröffentlichung in Brasilien spielte die Band vor 200.000 Menschen bei Rock in Rio.

Ein Live-Album, eine Compilation sowie ein Buch über Värttinä folgte und wie mehrfach zuvor wechselte die Besetzung. Das nächste Album iki erschien 2003, pünktlich zum 20. Geburtstag und wurde sowohl zum Kritiker- wie auch Publikumsliebling. Im selben Jahr begann die Zusammenarbeit mit A.R. Rahman an der Bühnenversion des Romans Lord Of The Rings, die bis zur Premiere in Toronto 2006 und der Erstaufführung am Theatre Royal Drury Lane in London 2007 weiter ging.

Parallel dazu folgten weitere Tourneen und Festivalauftritte weltweit und eine gemeinsame Arbeit mit Eliza Carthy. 2006 veröffentlichte die Band dann ihr nächstes Studioalbum Miero auf dem Real World Label von Peter Gabriel und 2008 bei Sony BMG eine 25 Jahre Geburtstagscompilation, die 2009 über das Label Westpark Music auch in Europa erhältlich wurde.

2012 erschien das bis dato letzte Album Utu, das die pop-orientiertere Seite der Band zeigte, bevor Värttinä nun mit dem neuen Album Viena zurück zu den Wurzeln geht.