Chumbawamba

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ABCDEFG ist das siebzehnte Album der Band, ein Konzeptalbum ("Konzept" steht hier für "Idee" - Schließlich sind Ideen der Grundstein des Erfolgs von Chumbawamba), ein Album voller Ideen - speziell zum Thema Musik - gute und schlechte Musik, gefeierte und belächelte Musik. - Musik. Nachdem sie seit fast 25 Jahren auf Keksdosen getrommelt und an über Teekisten gespannten Saiten herum gezupft haben,war es vielleicht an der Zeit, dass Chumbawamba ihre Aufmerksamkeit diesem riesigen, ausufernden, Hydra-köpfigen Monster zuwenden - seiner Geschichte, seinen Geschichten, seinen Helden und seinen Schurken. Eine Reise durch mehrere Jahrhunderte dessen, was Musik für die Menschen bedeutet und was sie für die Band bedeutet.

ABCDEFG ist musikalisch vielschichtig und breit gefächert, von ‚a cappella' über Pop und Folk bis zu Jazz, ein buntes Durcheinander von Ideen, das die Materie greifbar machen soll. Mit dabei ist eine sanfte Hymne auf die Erfahrung, die ein Teenager macht, der heimlich spät nachts unter der Bettdecke einem Transistorradio lauscht und die Musik für sich entdeckt; eine feierliche Erinnerung an die Marschlieder, die von Soldaten im ersten Weltkrieg geschrieben wurden; eine Geschichte darüber, wie hart Menschen gegen die kommunistische Staatsideologie kämpfen mussten, um ihre Musik spielen zu dürfen; ein augenzwinkernder Hinweis auf die Besessenheit der Welt des Folk mit Greatest-Hits-Alben und Authentizität; die Geschichte eines Überlebenden eines Konzentrationslagers, der die erste Aufführung einer Wagner-Oper in Israel mit dem Krach einer Fan-Rassel sabotierte.

Man findet vieles auf diesem Album - sowohl ernst Gemeintes (Chumbawamba lieben es, die Musik als Medium zu verwenden, um über Geschichte, Politik und Philosophie zu sprechen) als auch weniger ernst Gemeintes (Chumbawamba sind sicher ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, die Ernsthaftigkeit eben dieser Geschichte, Politik und Philosophie zu torpedieren). Die Stücke auf diesem Album werden auf einer ganzen Batterie von Instrumenten (von der Band selbst) gespielt und einige Songs werden durch musikalische Beiträge der folgenden Künstler bereichert: Chopper von Oysterband am Cello, Jon Boden von Bellowhead an der Geige und Belinda O'Hooley (ex-Unthanks) am Klavier.

Mit "The Boy Bands Have Won ..." erleben wir Chumbawamba als eine Band mit Stil und mit der Idee, unsere eigene Kultur zu recyceln. Da verfügen wir in unseren Breitengraden über diese gewaltige Geschichte, über diese immense Ansammlung an "Material", in musikalischer Hinsicht wie in historischer, in der Kunst, im Sport, in der Politik und in Millionen anderer Bereiche. Wir müssen nur zugreifen! So hat die Band neue Melodien komponiert, Texte geschrieben und alles vermengt mit eben diesen Vorstellungen, die wir von unserer Kultur haben, vermengt mit Reproduktionen ihrer selbst aus der Vergangenheit, vermengt in einer Vielzahl musikalischer Stile und hat damit herumgespielt, mit dem, woraus sich Chumbawamba bisher zusammensetzte. Denn genau das ist es, was zu viele andere Künstler tun: nur auf das bewährte Rezept vertrauen. Wird langweilig mit der Zeit … Hier sind also wieder, Chumbawamba, nur wieder anders. Und anders. Und anders.

Auf dem Album vertreten auch viele Gäste wie die Oysterband, Roy Bailey, Robb Johnson, Barry Coope oder Jim Boyes. Und manche der 25 Songs behandeln all die wichtigen Dinge wie Lyrik, Krieg, Tod, Unterhosen und Lord Batemans Motorradunfall. Zu hören gibt es außerdem ein wenig Schwergewichtsringen mit W. H. Auden, Bertolt Brecht und Lord Bono oder ein Lied über El Fusilado, den Mann, der eine standrechtliche Erschießung überlebte. Ein Lied über Gary Tyler, der 30 Jahre unschuldig in einer amerikanischen Todeszelle saß. Ein Lied über Maggie Thatcher. Die Lieder sind himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, leise, laut, langsam, schnell - das alles in einem großen bunten Mix. The Boy Bands Have Won … ist ein wahres zeitgenössisches Konzeptalbum.